Hierarchie und Macht? Kommunikation in der Kirche - Podiumsdiskussion im St. Jakobushaus

„Laien reden im Vorprogramm.“ Julia Knop gab eine ernüchternde Bilanz der kommunikativen Praxis in der katholischen Kirche, bei Entscheidungsprozessen und in der Liturgie. „Macht – Entscheidungsmacht, Deutungsmacht, Urteilsmacht, Gestaltungsmacht“ sei „katholisch immer amtliche Macht“. Auf unterschiedlichsten Ebenen werde über Jahrzehnte kommunikativ eingeübt, wo man seinen Platz habe. Man müsse daher stärker über die Unterscheidung von Autorität und Kompetenz sprechen statt über jene von Amt und Charisma. Es gebe legitime Macht – eine wichtige Frage sei aber, wie sie sich legitimiert.

Den Eingangsimpuls von Frau Knop finden Sie hier zum Nachhören.

Ähnlich Ulrich Engel: Gerade im kirchlichen Bereich können Wahrheitsdiskurse hierarchische Machtdiskurse werden, so seine Diagnose. Er plädierte für eine Theologie, die um ihre Begrenztheit weiß und insofern mehr Fragen stellt als Antworten liefert. Eindringlich appellierte Engel, die Kirche demokratischer zu gestalten, wie dies seit vielen Jahrhunderten im Dominikanerorden bereits gute Übung sei. Es gelte Strukturen zu entwickeln, wie Macht gleichermaßen ausgeübt und transparent kontrolliert werden könne.

Den Eingangsimpuls von Herrn Engel finden Sie hier zum Nachhören. Und auf katholisch.de finden Sie ein Interview mit ihm zum Thema.

Sowohl Engel als auch Knop konstatierten, dass Hierarchien nur dann funktionierten, wenn sie von allen akzeptiert würden. Bei den Gläubigen schwinde die Bereitschaft, sich ohne Ihnen nachvollziehbare Argumente von einer amtlichen Erlaubnis abhängig zu machen. Der Synodale Weg sei ein Hoffnungszeichen für eine Veränderung der Kirche. Hier sei auf Seiten aller ein Umdenken notwendig: Jede und jeder müsse die Beobachterrolle verlassen und sich einbringen, Amtsträger müssten mehr Veränderung wagen. Denn klar sei auch: So viel Hoffnung man berechtigterweise auf den Synodalen Weg setze, so wichtig sei es, dass alle ihr Möglichstes dafür gäben, diesen Weg erfolgreich, sichtbar und nachdrücklich werden zu lassen.

Nur eine Kirche, die nach innen kommunikationsfähig werde, könne nach außen kommunikationsfähig sein und als Akteur die Gesellschaft mitgestalten – so der ermutigende wie mahnende Abschluss des Diskussionsabends, der von Birgit Kolkmann moderiert wurde – Moderatorin u.a. im Rahmen der Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe in Lingen, auf der der synodale Weg seinen Ursprung nahm.

Die Veranstaltung stand im Themenzusammenhang mit der Initiative der Katholischen Akademien in Deutschland: „Strukturen des Missbrauchs überwinden“.

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