Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse

Tagung Flucht, Religion und Integration

Während der Tagung „Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse“, die am Wochenende vom 15. und 16. Oktober 2016 im St. Jakobushaus stattfand, diskutierten etwa vierzig Teilnehmende und ausgewiesene Referent_innen aus Theologie, Religionswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft und Sozialwissenschaft: Welche Rolle spielt Religion bei der Flucht, bei der Flüchtlingshilfe und bei der Integration? Hat Deutschland eine besondere Verantwortung, christliche Geflüchtete zu schützen, weil es ein „christliches“ Land ist und Christen, die religiös verfolgt werden, bevorzugt Schutz gewähren muss? Wird Deutschland tatsächlich islamischer?

Die Tagung unter der Leitung von Dr. Theresa Beilschmidt begann mit Grußworten von Regine Körner, Erste Kreisrätin des Landkreises Goslar, und Friedrich-Wilhelm Busse von der Dr. Buhmann Stiftung für interreligiöse Verständigung aus Hannover.

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Friedrich-Wilhelm Busse (li), Regine Körner

Teilnehmende und Referent_innen diskutierten angeregt und konstruktiv über die Herausforderungen und Chancen der Fluchteinwanderung nach Deutschland. Ein wichtiges Fazit der Tagung war: Religiöse Praxis und Religion im Alltag sollten mehr erforscht werden. Dabei bedarf es statt Polarisierung und Populismus eines realistischen Blickes auf die Fakten und vor allem der Überzeugung, dass religiöse Vielfalt der deutschen Gesellschaft gut tut. Daran sollte gemeinsam gearbeitet werden – interreligiös, aber auch intrareligiös.

Pater Frido Pflüger SJ vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst zeigte unter dem Titel „Flucht und Vertreibung – Beobachtungen aus Nahost, Afrika und Deutschland“: Religion ist nur einer unter vielen Fluchtgründen, aber einer, mit dem viel Hass geschürt und Politik gemacht wird.

Tagung Flucht, Religion und Integration

Bei der öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema Frage „Welche Rolle spielt Religion bei der Flüchtlings- und Integrationshilfe?“ stießen am Samstagabend noch zahlreiche Goslarer_innen zur Tagung hinzu. Die Vertreter_innen der Flüchtlingshilfe Goslars waren alle der Meinung, dass es wichtig sei, sich zunächst der Grundversorgung der Geflüchteten anzunehmen. Religion habe bei der Flüchtlingshilfe nur eine untergeordnete Bedeutung.

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Samir Hammadi (li),Susanne Ohse, Dr. Theresa Beilschmidt; Hans Georg Ruhe, Ulrich Müller-Pontow

Eine sichtbare und aktive Präsenz der Kirche forderte am Sonntagvormittag Dr. Hans-Jürgen Marcus, Direktor des Diözesancaritasverbandes Hildesheim, in seinem Vortrag „Flüchtlinge bewegen – Die Kirche und ihre Caritas“. Kirche sei dort, wo willkommen geheißen wird. Sie werde dann glaubwürdig, wenn sie Fremden Schutz gewährt.

Deshalb auch die These von Marcus: Flüchtlinge retten die Kirche. Dass die aktuelle Fluchteinwanderung auch ein Thema und eine Herausforderung für die Moscheegemeinden in Deutschland ist, zeigte Prof. Dr. Riem Spielhaus vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig und der Georg-August-Universität Göttingen in ihrem Vortrag „Moscheen als Akteure der Flüchtlingshilfe“. Am Beispiel verschiedener Moscheegemeinden in Hamburg und Berlin wurden Möglichkeiten deutlich, durch die Hilfe von Muslim_innen für Muslim_innen einen Beitrag zur Binnenintegration unter Muslim_innen zu leisten.

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Prof. Dr. Riem Spielhaus

Prof. Dr. Micha Brumlik, ehemals Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und jetzt Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg zeigte in seinem Vortrag „Exodus und Flucht – Biblische und historische Motive jüdischer Erfahrung“ anhand der Bedeutung von Flucht in der jüdischen Religion und Tradition, wie das Flüchtlingsnarrativ Teil des jüdischen Glaubens wurde. Er machte mit Zitaten von Hannah Arendt auf die Scham und den Schmerz aufmerksam, den die Fluchterfahrung Menschen zufügt.

Tagung Flucht, Religion und IntegrationProf. Dr. Micha Brumlik

Schließlich zeigte der Vortrag von Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel, Professor für Religionssoziologie an der Georg-August-Universität Göttingen, unter dem Titel „Flucht, Migration und religiöse Pluralisierung in Deutschland“, dass in den vergangenen Jahren zwar mehr Menschen muslimischer Religionszugehörigkeit eingewandert sind, dass dies aber noch keine Islamisierung Deutschlands bedeute.

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Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel

Als Fazit der Tagung hielt die Moderatorin Dr. Theresa Beilschmidt fest: „Ein realistischer Blick auf die Fakten ist für ein friedliches Zusammenleben in einer Gesellschaft der Vielfalt konstruktiver als Polarisierung und Populismus.“

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Wir danken der Dr. Buhmann Stiftung für interreligiöse Verständigung für die finanzielle Unterstützung dieser Tagung.

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Text: Dr. Theresa Beilschmidt, Norbert Lübke
Fotos: Sebastian Jost, Norbert Lübke
(nl-18.10.2016)

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