Was geschieht, wenn wir beten?
Theologische Annäherungen an das Bittgebet 3.-5.2.2012


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Seminar für Fachkräfte in KiTas
6.-8.2.2012



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Achim Engstler / Andreas Fritzsche
Ein Beitrag aus der philosophischen Erwachsenenbildung

Seminare der philosophischen Erwachsenenbildung finden jenseits des Streits akademischer Theorien statt. Sie sollen Fragen klären, die nicht aus der Beschäftigung mit philosophischer Forschung entstanden sind, sondern sich aus dem alltäglichen Leben ergeben haben. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei Fragen der Ethik zu, worunter wir die Reflexion auf Moral, d.h. das faktische Handeln oder die "Sitte", verstehen. Teilnehmer ethischer Seminare in der Erwachsenenbildung erwarten, daß ihnen die philosophische Ethik dazu verhilft, sich als Handelnde kritisch wahrzunehmen. Wie handle ich eigentlich, d.h. wonach richte ich mich in meinem faktischen, zumeist unreflektierten Handeln? Wie kann ich prüfen, ob ich richtig gehandelt habe? Warum handle ich so, wie ich handle, und kann ich erreichen, daß ich immer öfter gut handle? Zur eigenständigen Beantwortung dieser Fragen soll die ethische Erwachsenenbildung beitragen.


Achim Engstler / Andreas Fritzsche
Ethiktypen
Ein Beitrag aus der philosophischen Erwachsenenbildung



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Seminare der philosophischen Erwachsenenbildung finden jenseits des Streits akademischer Theorien statt. Sie sollen Fragen klären, die nicht aus der Beschäftigung mit philosophischer Forschung entstanden sind, sondern sich aus dem alltäglichen Leben ergeben haben. Ein besonderer Stellenwert kommt dabei Fragen der Ethik zu, worunter wir die Reflexion auf Moral, d.h. das faktische Handeln oder die "Sitte", verstehen. Teilnehmer ethischer Seminare in der Erwachsenenbildung erwarten, daß ihnen die philosophische Ethik dazu verhilft, sich als Handelnde kritisch wahrzunehmen. Wie handle ich eigentlich, d.h. wonach richte ich mich in meinem faktischen, zumeist unreflektierten Handeln? Wie kann ich prüfen, ob ich richtig gehandelt habe? Warum handle ich so, wie ich handle, und kann ich erreichen, daß ich immer öfter gut handle? Zur eigenständigen Beantwortung dieser Fragen soll die ethische Erwachsenenbildung beitragen.

Während eines Seminars zur Wertphilosophie Max Schelers ist uns deutlich geworden, daß der Versuch, alle diese Fragen vom Boden einer ethischen Theorie aus zu behandeln, scheitern muß. Es scheint, als sei jede philosophische Ethik vorrangig für eine der genannten Fragen zuständig. Da ist sie plausibel, während ihre Antworten auf die anderen Fragen gezwungen und lebensfremd anmuten. Wir bauen in der philosophischen Erwachsenenbildung keine Systeme - wir müssen nicht verbissene Parteigänger eines Prinzips sein. Unser Vorteil ist, daß wir uns aus verschiedenen Theorien "bedienen" können. Aus diesem Vorteil wollen wir mit unserem Vorschlag Kapital schlagen. Der Vorschlag lautet, für die Zwecke der philosophischen Erwachsenenbildung aus dem polemischen Gegeneinander der ethischen Theorien ein konstruktives Miteinander zu machen. Lassen wir die Theorien nur die Fragen beantworten, die sie plausibel beantworten können. Machen wir die einzelne Theorie stark, indem wir ihre Zuständigkeit begrenzen, statt sie zu schwächen, indem wir von ihr Antworten auf alle Fragen erwarten.

Auf diese Weise vermeiden wir auch den modischen Liberalismus, dem alles gleich gültig wird und der letztlich jedem die Ethik gibt, die er gerne hätte. Daß im Alltag neben der unverhohlen praktizierten hedonistischen Ethik ganz souverän Tugendethik, deontologische Ethik, Utilitarismus und idealistische Theorien des Guten/Gerechten weiterleben, ist ja kein Zufall. Jedem Ethiktyp möchte man gern seine Berechtigung zusprechen, und spürt doch, daß jeder Typ Defizite aufweist. Unser Schema, das sich als Vorschlag zur Diskussion versteht, versucht, diese unklare Situation auf den Begriff zu bringen.

Beginnen wir mit der Frage, wonach ich mich in meinem faktischen, zumeist unreflektierten Handeln eigentlich richte. Erwäge ich, bevor ich zur Tat schreite, ob die Maxime, nach der ich meine Handlung beschließe, in einem formalen Sinne allgemeingültig ist? Analysiere ich, welche der möglichen Handlungsalternativen der größten Zahl von Menschen den quantitativ oder qualitativ größten Nutzen bringt? Wohl kaum. Immanuel Kant und Jeremy Bentham, die Deontologen und die Utilitaristen, beantworten uns diese Frage nicht. Lebensnäher ist die Antwort der Wertethiker: wir versuchen, so sagen sie, in unserem Handeln intuitiv erfaßte Werte zu verwirklichen. Wir mögen dabei scheitern, wir mögen in unserer Einschätzung der Rangfolge der Werte irren und einer "Verwirrung des Herzens" erliegen - aber das ist es, was wir faktisch tun.

Die zweite Frage: Wie kann ich prüfen, ob ich richtig gehandelt habe? Hier läßt uns die Wertethik im Stich. Anstatt der Vernunft das Wort zu geben und Argumente zu präsentieren, verweisen uns Max Scheler & Co an unser "Wertfühlen". Gleichzeitig betonen sie, es gebe richtige und falsche Werterkenntnis, ohne jedoch objektive Kriterien nennen zu können. Rechtfertigung bleibt die Sache der Vernunft. Daher sollten wir uns für die Rechtfertigung unserer Handlungen, die immer erst im nachhinein geschieht, zunächst an Kant halten. Kant knüpft ausdrücklich an die alltägliche Moralauffassung an, die sich in dem im Anschluß an eine getane Handlung erhobenen Vorwurf "Wenn das jeder täte!" ausdrückt. Richtig ist eine Handlung, die in dieser Situation jeder ausführen könnte. Das ist das Prinzip, nach dem wir uns bei der kritischen Prüfung einer Handlung richten, und das ist das ganze Geheimnis des Kategorischen Imperativs.

Bei der dritten Frage: Warum handle ich so, wie ich handle, und kann ich erreichen, daß ich immer öfter gut handle? wird Kant mysteriös. Da soll es eine ursprüngliche Verschuldung geben, für die wir nichts können, aber trotzdem verantwortlich sind, und nur eine "Revolution des Herzens" soll uns zu guten Menschen machen. Wer's glaubt ... Lassen wir Kant also zu dieser Frage schweigen und hören den Tugendethikern zu, die uns sagen, daß unser Handeln von unserer inneren Verfassung abhängt, die nichts Unwandelbares ist, sondern von uns geformt werden kann. Keiner muß bleiben, wie er ist - jeder taugt zum Guten, aber er muß darauf hinarbeiten.

Im Zusammenhang dieser Überlegungen stellen sich uns die genannten Ethiktypen fogendermaßen dar:

Wertethik (materiale Ethik)
Die Wertethik trägt der Erfahrung Rechnung, daß unser faktisches Handeln eine Sache der Intuition ist. Zumeist handeln wir "einfach so", ohne daß Regeln oder vernünftige Erwägungen eine Rolle spielten. Die von Blaise Pascal inspirierte Wertethik Max Schelers lehrt, daß in der konkreten Handlungssituation intuitive Wertschätzungen entscheidend sind. Wir fühlen uns angezogen oder abgestoßen, wir hängen unser Herz an die Realisierung eines Gutes oder wehren uns gegen die Präsenz von Übeln. Die Wertethik hat die Funktion eines Spiegels, in dem wir uns so sehen, wie wir im Handlungsgetümmel sind. Sie ist die Theorie des faktischen Handelns.

Vernunftethik (formale/rationale Ethik)
Erst tut man etwas, dann tut es einem leid. Der Intuition, die das Handeln auslöst, folgt die Reflexion, die es analysiert. Die Handlung kommt vor Gericht, und der zuständige Gerichtshof ist die Vernunft. Wenn wir unsere getanen Handlungen der kritischen Prüfung unterwerfen, dann wollen wir ein unabhängiges, streng gültiges Urteil. Hier liegt die Stärke der Vernunftethik Kantischer Prägung. Sie zeigt uns, welche Prinzipien wir anwenden müssen, um zu einem fairen und wahren Urteil über unsere Handlungen zu kommen. Die Vernunftethik macht uns weder unser faktisches Handeln plausibel, noch macht sie uns zu besseren Menschen - ihr Platz ist die Verantwortungssituation, in die wir uns nach getaner Handlung stellen. Sie ist die Theorie der Handlungsprüfung.

Tugendethik
Die Tugendethik richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Person des Handelnden und seine Dispositionen. Handeln, sagt sie, ist ein Vermögen, ein Können. Wer zu gutem Handeln taugt, hat Tugend. Und Tugend läßt sich üben. Wie der Sportler durch Laufen seine Muskeln stärkt, sagt Aristoteles, stärken wir unser Gutsein durch gutes Handeln. Wie das eine ein Training bis zum sportlich höchst Möglichen ist, so ist das andere ein Training im sittlich höchst Möglichen. Wie das eine seine Erfüllung im Lorbeerkranz findet, so das andere die seine im Gelingen des Lebens. Daß dieser Ethiktyp im Management-Training eine Renaissance erlebt, ist kein Zufall. Die Tugendethik hat ihren Platz im Fitness-Center des Handelns. Sie ist die Theorie der Dispositionen zum Handeln.

Die genannten drei Ethiktypen haben ihre Berechtigung und Plausibilität, wenn sie auf die richtigen Fragen bezogen werden. Daß es innerhalb der drei Ethiktypen durchaus konkurrierende Theorien gibt, wollen wir nicht verschweigen. Auch haben wir den Utilitarismus oder die Theorie des moral sense, die etwa von David Hume vertreten worden ist, außen vor gelassen. Wir halten es jedoch für möglich, durch Verfeinerung des Schemas weitere Ethiktypen und -theorien konfliktfrei und konstruktiv aufeinander zu beziehen.

 

 
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